Ein typischer Anruf bei uns: 'Der Abfluss läuft seit Wochen schlecht, aber ich weiß nicht, woran es liegt.' Genau für solche Situationen gibt es die Kamerabefahrung. Eine kompakte, wasserdichte Kamera fährt durch das Rohr und überträgt das Bild in Echtzeit auf einen Monitor – so wird sichtbar, was sich im Inneren verbirgt. Ob Riss in der Rohrwand, eingewachsene Wurzeln oder hartnäckige Ablagerungen – die Kanal-TV-Untersuchung findet die Ursache, ohne dass auch nur ein Spatenstich nötig wäre. Kein Aufgraben, keine unnötigen Folgekosten. Dieser Ratgeber zeigt, wie das Verfahren im Detail abläuft, welche Technik dabei zum Einsatz kommt und in welchen Situationen eine Befahrung wirklich Sinn ergibt.
Was versteht man unter einer Kamerabefahrung im Kanal?
Eine Kanalinspektionskamera – in der Praxis auch als Kanal-TV oder Kanalendoskop bekannt – ist eine robuste Spezialkamera, die entweder an einem flexiblen Schubkabel oder auf einem motorisierten Fahrwagen durch Rohrleitungen bewegt wird.
Das Kamerabild wird live auf einem Bildschirm übertragen und durchgehend aufgezeichnet. So entsteht ein lückenloses Video-Protokoll, das den Rohrzustand dokumentiert und bei Bedarf als Grundlage für Gutachten oder Versicherungsfälle herangezogen werden kann.
Kamerabefahrung auf einen Blick
Welche Kamerasysteme kommen bei einer Rohrinspektion zum Einsatz?
Wer täglich mit verschiedenen Leitungssituationen zu tun hat, weiß: Nicht jedes Rohr lässt sich mit demselben Gerät inspizieren. Rohrdurchmesser und Leitungsführung bestimmen, welches System passt.
Schiebekamera vs. Fahrwagen-System
Schiebekamera (Push-Kamera)
- Für kleinere Rohre ab ca. DN 25–50 mm geeignet
- Flexibles Kabel wird manuell geschoben
- Ideal für Hausanschlüsse und Abflüsse
- Kompakt und schnell einsetzbar
- Geringerer Geräteaufwand
Selbstfahrender Inspektionsroboter
- Für größere Rohre ab ca. DN 100 mm und mehr
- Motorisierter Raupenantrieb
- Schwenk- und Zoomfunktion für 360°-Sicht
- Größere Reichweiten möglich
- Für Hauptkanäle und Industrieleitungen
Schritt für Schritt: So läuft eine Kamerabefahrung in der Praxis ab
Ablauf einer Kanal-TV-Untersuchung
- Vorgespräch und Auswahl der ZugangsstelleZuerst wird geklärt, welche Leitungsabschnitte untersucht werden sollen. Dann wählt der Fachmann den geeigneten Einstiegspunkt – das kann ein Revisionsdeckel, eine Reinigungsöffnung oder ein Schacht sein.
- Kamera einführen und anschließenDie Kamera wird in das Rohr eingeführt. Über ein flexibles Kabel oder den Fahrwagen-Antrieb ist sie mit dem Steuergerät und dem Aufzeichnungsmonitor an der Oberfläche verbunden.
- Befahrung und Live-BeobachtungLangsam bewegt sich die Kamera durch das Rohr. Der Techniker verfolgt das Live-Bild und hält auffällige Stellen mit Zeitstempel und Metermarkierung im Protokoll fest.
- Schäden erkennen und einmessenRisse, Wurzeleinwuchs, Ablagerungen, Rohrversatz oder undichte Verbindungen werden markiert. Ein integrierter Sender erlaubt die genaue Ortung des jeweiligen Schadens von der Oberfläche aus.
- Befundbericht und HandlungsempfehlungIm Anschluss erhält der Auftraggeber ein Video-Protokoll sowie einen schriftlichen Befundbericht mit konkreten Empfehlungen für die nächsten Schritte.
Was macht die Kamera im Rohr sichtbar?
Die Kanalinspektionskamera liefert ein klares Bild vom Innenzustand der Leitung – und macht dabei sowohl akute Schäden als auch schleichende Veränderungen sichtbar, bevor sie zum Totalausfall führen.
- Risse, Brüche und Haarrisse in der Rohrwand
- Wurzeleinwuchs durch Muffen und beschädigte Wandungen
- Fettrückstände, Kalkablagerungen und andere Verstopfungen
- Rohrversatz durch Setzungen im Erdreich
- Undichte Verbindungsmuffen und Einläufe
- Fremdkörper und Bauschäden
Wann lohnt sich eine Kamerabefahrung wirklich?
Wenn eine Leitung trotz mehrfacher Reinigung immer wieder verstopft, ist eine Kanal-TV-Untersuchung meist die wirtschaftlichste Entscheidung. Vor allem, wenn der eigentliche Schaden von außen unsichtbar bleibt.
Typische Anlässe für eine Kanalinspektion
| Situation | Warum Kamera? | Mögliche Folge ohne Untersuchung |
|---|---|---|
| Wiederkehrende Verstopfung | Ursache im Rohr unklar | Dauerproblem ohne Behebung der eigentlichen Ursache |
| Kauf einer Immobilie | Rohrzustand unbekannt | Unentdeckte Schäden werden nach Kauf teuer |
| Vor einer Sanierung | Schadensbild dokumentieren | Falsche oder überdimensionierte Maßnahmen |
| Nach Baumfällarbeiten | Wurzelschäden prüfen | Unbemerkte Rohrbrüche durch freigelegte Wurzeln |
| Dichtheitsprüfung gefordert | Nachweis des Rohrzustands | Fehlende Dokumentation für Behörden oder Versicherung |
Typische Einsatzszenarien, Stand 2026
Was folgt nach der Kamerabefahrung?
Das Ergebnis der Befahrung legt den weiteren Weg fest. Nicht jeder Befund verlangt sofortiges Handeln – der Fachbetrieb bewertet den Schweregrad des Schadens und spricht eine gezielte Empfehlung aus.
- Leichte Ablagerungen: Hochdruckspülung oder mechanische Reinigung
- Wurzeleinwuchs: Fräsung und anschließende Sanierung
- Risse oder Brüche: Inliner-Sanierung oder Rohrinnenbeschichtung
- Schwere Schäden: Teilaustausch oder Neuverlegung
- Kein Befund: Dokumentation als Nachweis für Versicherung oder Behörde






